Endstufe richtig einstellen: Gain, Tiefpass und Subsonic
Eine falsch eingestellte Endstufe ist die häufigste Ursache für verzerrten Klang und defekte Subwoofer. Der Gain-Regler ist dabei kein Lautstärkeregler, sondern passt die Eingangsempfindlichkeit an das Radio an. Mit einem Multimeter und einem Testton gelingt die Einstellung präzise.
Was der Gain-Regler macht
Der Gain (Eingangsempfindlichkeit) gleicht die Signalspannung des Radios an die Endstufe an. Richtig eingestellt erreicht die Endstufe ihre volle Dauerleistung genau dann, wenn das Radio sein unverzerrtes Maximum liefert. Ist der Gain zu hoch, beginnt die Endstufe schon bei mittlerer Lautstärke zu clippen – der Bass klingt hart, die Schwingspule überhitzt.
Das brauchen Sie
- ein Multimeter mit Wechselspannungsmessung (V AC)
- Testtöne als Sinus mit 0 dB: 40–50 Hz für Subwoofer, 1.000 Hz für Lautsprecher (als Datei auf USB-Stick oder Smartphone)
- die Dauerleistung der Endstufe bei Ihrer Impedanz aus dem Datenblatt
Zielspannung berechnen
Die Zielspannung ergibt sich aus Leistung und Impedanz: U = √(P × R)
| Leistung | Impedanz | Zielspannung |
|---|---|---|
| 500 W | 2 Ω | 31,6 V |
| 1.000 W | 1 Ω | 31,6 V |
| 1.000 W | 2 Ω | 44,7 V |
| 2.000 W | 1 Ω | 44,7 V |
| 100 W | 4 Ω | 20,0 V |
Setzen Sie für P die Leistung ein, mit der Sie den Subwoofer betreiben wollen – höchstens die Nennbelastbarkeit (RMS) des Subwoofers bzw. die Dauerleistung der Endstufe, je nachdem, welche niedriger ist.
Schritt für Schritt
- Radio neutral stellen: Loudness, Bass-Boost, Equalizer und Klangregler auf neutral, Balance und Fader mittig.
- Endstufe vorbereiten: Gain ganz zurückdrehen, Bass-Boost auf 0 dB, Filter wie unten beschrieben einstellen, Fernregler (falls vorhanden) auf Maximum.
- Lautsprecher abklemmen: Für die Messung die Lautsprecherkabel von der Endstufe lösen.
- Testton abspielen: Lautstärke am Radio auf etwa drei Viertel des Maximums – den Punkt, an dem das Radio noch sauber spielt.
- Messen und drehen: Multimeter (V AC) an die Lautsprecherausgänge halten und den Gain langsam erhöhen, bis die Zielspannung erreicht ist.
- Lautsprecher wieder anschließen und mit Musik bei moderater Lautstärke prüfen. Klingt es bei hoher Lautstärke verzerrt, Gain etwas zurücknehmen.
Noch genauer geht es mit einem Oszilloskop, das den Beginn des Clippings direkt sichtbar macht.
Filter richtig setzen
- Tiefpass (Subwoofer): typischerweise 60–90 Hz. So spielt der Subwoofer nur Bass und lässt sich nicht orten.
- Hochpass (Türlautsprecher): bei vorhandenem Subwoofer meist 60–80 Hz. Das entlastet die Lautsprecher und erhöht die Pegelfestigkeit.
- Subsonic: schneidet tiefste Frequenzen ab, die kaum hörbar sind, aber viel Hub erzeugen. Im Bassreflexgehäuse etwa 5–10 Hz unter der Abstimmfrequenz, im geschlossenen Gehäuse um 20–25 Hz.
Was die Filter bewirken, erklärt auch das Glossar.
Bass-Boost und Phase
Den Bass-Boost besser auf 0 dB lassen: Er hebt einen schmalen Bereich stark an und erhöht das Clipping-Risiko. Fehlt Bass, ist meist das Gehäuse, die Phase oder die Trennfrequenz die Ursache. Mit dem Phasenschalter (0°/180°) stellen Sie ein, dass Subwoofer und Frontlautsprecher zusammen und nicht gegeneinander spielen – die Stellung mit dem kräftigeren Übergang im Bereich der Trennfrequenz ist die richtige.
Typische Fehler
- Gain „nach Gehör“ bis zum Anschlag drehen
- Bass-Boost zum Ausgleich eines schlechten Gehäuses
- Einstellen mit aktivem Equalizer oder Loudness am Radio
- Fernregler bei der Einstellung nicht auf Maximum – später wird dann weiter aufgedreht
Für ein komplexes System mit vielen Lautsprechern und Laufzeitkorrektur lohnt sich ein Soundprozessor, siehe DSP im Auto.